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Küster im Kirchenkreis Mecklenburg

in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland

Grußworte vom Landesbischof

Liebe Küsterinnen und Küster,

Kirchen, Gemeindehäuser und Friedhöfe sind kostbare Schät-ze. Sie sind Gestalt gewordene Geschichte. Sie erzählen von den Menschen, die sich hier zusammengefunden haben, um Gottes Wort zu hören und sich Kraft zu holen aus dem Glauben für ihr Leben und das Sterben. Sie sind genauso  Zeugen von Gegenwart – der Gegenwart des christlichen Glaubens und des Lebens mit Gott. Orte der Begegnung: mit Gott und den Menschen.
Und Sie, liebe Küsterinnen und Küster, sind die Hüter dieser Orte, ihre Wächter. Das Wort Küster leitet sich ab vom lateinischen „custos“‚ Hüter, Wächter. Der Gottesdienst und andere Gemeindeveranstaltungen stehen unter Ihrer fürsorglichen Obhut.
Durch die von Ihnen organisierte sachkundige Instandhaltung und kompetente Pflege sind unsere Kirchen und Gemeindehäuser ansprechend und offen für die Menschen, die sie besuchen. Und die Friedhöfe laden so ein zur Ruhe und Besinnung.
Sie haben eine besondere Verantwortung dafür, dass Menschen, die unsere Kirchen betreten, die Erfahrungen machen können, von denen ein Gesangbuchlied erzählt und singt: „Tut mir auf die schöne Pforte, führt in Gottes Haus mich ein. Hier ist Gottes Angesicht, hier ist lauter Trost und Licht.“
Ein Lied, das uns allen, die wir im Verkündigungs- oder im verkündigungsnahen Dienst stehen, auch selber Mut macht, wenn die Arbeit manchmal zur Last wird und schwer fällt.
Die Kirchengebäude mit ihren Türmen – sie prägen die Dörfer und Orte, in denen sie stehen. Sie werden von vielen – auch von vielen Konfessionslosen – als Ausdruck unserer Kultur wahrgenommen. Sie werden – natürlich – auch angenommen als Orte des Gottesdienstes, des sonntäglichen und des die Lebensgeschichte begleitenden Gottesdienstes in Taufe, Konfirmation, Trauung und Trauerfeier. Sie werden genauso angenommen als Orte, an denen man Kultur begegnet, seien es Konzerte oder andere Aufführungen, sei es der Kirchraum selbst mit seinen Schätzen oder das Kirchgebäude als architektonisches Kunstwerk. Genauso werden sie aufgesucht und geschätzt als Besinnungsorte, besonders im Alltag. Aber die in den Kirchenräumen aufbewahrten Bilder und Symbole, genauso wie die Architektur dieses Raumes, die auf die Feier des Gottesdienstes als Gemeinde angelegt ist, sie sind in einer ebenso säkularen wie multireligiösen Gesellschaft für viele Menschen nicht mehr selbstverständlich zu entziffern, sondern bedürfen der Übersetzung.
Diese Übersetzung, die unsere Pastorinnen und Pastoren oft am Sonntag auf der Kanzel leisten, die vollbringen Sie, liebe Küsterinnen und Küster, im Alltag.
Küsterinnen und Küster werden oft von Menschen angesprochen, die zufällig auf eine Kirche gestoßen sind oder von ihrer Schönheit gehört haben und deshalb angereist sind. Gerade Touristen treffen beim Besichtigen einer Kirche als erstes auf Sie, die Küsterin oder den Küster. Und hier erzählen Sie den Menschen von Ihrer Kirche: von deren Geschichte, den Schätzen, die sie birgt, und manche lustige oder schnurrige Geschichte sicher auch. Das ist für mich ein wichtiger Teil Ihres Amtes. Denn wenn Sie von Ihrer Kirche erzählen, erzählen Sie auch immer vom christlichen Glauben.
Der Küsterdienst hat so Teil am Verkündigungsauftrag der Kirche. Wir haben eben in der Kirche nicht nur ein Bischofs- und ein Pastorenamt, sondern eine Vielfalt der Ämter und „Diakoniai“, der verschiedensten „Dienstleistungen“ also, die alle entweder direkt an der Verkündigung teilhaben oder auf sie hin als Ziel orientiert sind. Gemeinsam bilden sie das eine Amt oder, wie unsere Verfassung sagt, den „eine(n) Auftrag der Kirche“ (Art. 14, 1).
Martin Luther hat dafür gerne das Bild von der besenschwingenden Magd benutzt – den Besen schwingen Sie als Küsterin und Küster ja nicht selten! – und gesagt: Wenn die Magd ihren Besen schwingt, dann ist das ein Gottesdienst im Alltag, der genauso wertvoll ist wie der des Bischofs.
Dafür und für alles, was Sie in meiner Zeit als Landesbischof für unsere Kirchengemeinden tagein tagaus geleistet haben, dafür danke ich Ihnen ganz herzlich!
Trotz aller Anforderungen, die in Ihrer ehren-, neben- oder hauptamtlichen Arbeit liegen, wünsche ich Ihnen für die Zukunft eine erfüllende Tätigkeit in Ihrem Beruf aus Berufung.
Möge Gott Sie mit seinem Segen begleiten.

Mit herzlichen Grüßen
Ihr
Landesbischof im Ruhestand
Dr. h.c. Gerhard Ulrich

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