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Küster im Kirchenkreis Mecklenburg

in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland

Schweriner Dom

Liebe Küsterinnen und Küster!

Wenn ich eine Kirche betrete, umfängt mich dieser Raum. Mit einem Mal bin ich drinnen, und was draußen ist, höre ich nur noch gedämpft, und das Licht von draußen wird durch die Fenster gedimmt. Jede Kirche hat ihre Atmosphäre – manche sind hell, manche dunkler, manche einfach gehalten, andere mit reicher Ausstattung. Backstein gibt dem Raum häufig etwas Anheimelndes und Warmes. Große Kirchen machen den Blick weit, als wollten sie uns über unsere kleine Welt hinausschauen lassen. Kleine Kirchen können Nähe und Geborgenheit schenken, als wollten sie uns in die Arme nehmen.
Kirchen haben aber zuerst oft auch etwas Fremdes und Ungewohntes an sich. Manche Leute mögen Kirchen nicht betreten. Es ist so anders in ihnen. Sie haben Angst, dass das etwas mit ihnen macht, was sie gar nicht wollen, wenn sie über die Schwelle einer Kirche gehen. Ist diese Angst begründet? Hat ein Kirchenraum so viel Macht?
Sie als Küsterinnen und Küster kennen sich mit Kirchen aus. Vor allem wissen Sie um die Schwachstellen Ihrer Kirchen, wo man immer besonders aufpassen muss. Aber Sie wissen auch, wo Ihre Kirchen schön und besonders sind. Vielleicht haben Sie einen Lieblingsplatz in Ihrer Kirche. Wie geht es Ihnen dort? Können Sie an diesem Ort zur Ruhe kommen? Wird Ihnen da Kraft gegeben?
In diesem Jahr haben wir in der Passionszeit und über Ostern auf neue Weise erfahren, wie gefährdet unser Leben sein kann. In einem für mich bisher unvorstellbaren Maß wurde unser menschliches Miteinander eingeschränkt, um einem Virus die Chance zu nehmen: Keine Zusammenkünfte, keine Veranstaltungen und keine Gottesdienste mehr! Das wurde für notwendig erachtet. Aber es war hart und es widerspricht unserem Wesen als Menschen: Begegnungen brauchen wir wie die Luft und das Licht. Dazu gehören auch die Begegnungen in der Gemeinde mit Gott. Was unsere Kirchen mit Leben erfüllt, war so eingeschränkt wie das Leben auch sonst in diesem Jahr. Es war still geworden in den Städten und Dörfern und in den Kirchen – und das auch zu Ostern, wo es eigentlich jubelnd und fröhlich zugehen sollte! Stille Ostern – wie geht das? Jetzt wissen wir's.
Viele haben bemerkt, dass in der ungewohnten Situation auch Chancen liegen: Gespräche werden kostbarer. Eine erzählt mir: „Ich habe mich noch nie so viel mit meinen Gartennachbarn unterhalten – über den Zaun hinweg, auf Abstand. Aber mit einem Mal lernen wir einander viel besser kennen.“ Eine große Tageszeitung machte kurz vor Ostern in ihrem Magazin, das einmal pro Woche der Zeitung beiliegt, das Gebet zum Thema. Ich habe mir die Augen gerieben. Beten helfe, schreiben sie, auch wenn man nicht glaube. Sieh dir das an, habe ich gedacht: Frömmigkeit außerhalb unserer Gottesdienste und ohne sie. Auf was für Gedanken die ungewohnte Situation Menschen doch bringt!
Ob Menschen gerade jetzt auch unsere Kirchen für eine Zeit der Stille betreten möchten? Würden manche hier gern neu Orientierung suchen, wo das Leben so anders geworden ist? Würde ihnen das helfen, wieder Klarheit für sich zu gewinnen? Sind unsere Kirchen dafür geöffnet, auch und gerade in der Zeit der Krise? Sie sollten es sein!
Unsere Kirchen sind für alle da – für uns selbst und für jeden, der in sie einkehrt. Sie sind wie eine Höhle voller Licht und Weite, wie eine bergende Höhle, in der wir nicht allein sind. Hier dürfen wir einfach da sein, und dann ist Er für uns da – in Zeiten mit Gottesdienst und in Zeiten ohne. 

Herzlich grüßt Sie,
Ihr Andreas Flade

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