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Küster im Kirchenkreis Mecklenburg

in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland

„Schmückt das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars.“ Psalm 118, 27b

Liebe Küsterinnen und Küster!

Beim Schmücken einer Kirche fröhlich werden, vor sich hin summen, eine Melodie pfeifen, ein paar Schritte tanzen – tun Sie das, jedenfalls manchmal? Wenn ich einen Küsterratgeber schreiben sollte, würde ich das empfehlen. Es gehört eigentlich dazu nach aller Mühe mit dem Reinigen, Polieren, Schleppen, Ordnen und Herrichten. Das kann ja viel Kraft kosten. Zwischendurch kann sich auch das Gefühl einstellen, es wäre nicht zu schaffen, was da alles zu tun ist. Aber dann, wenn die Blumen auf dem Altar stehen und duften, wenn vielleicht auch frisches Grün den Raum aufhellt, wenn Birken zu Pfingsten es noch lebendiger machen, dann fehlt eigentlich bloß noch, dass es jetzt losgeht mit einem schönen Gottesdienst. Doch vorher kann ja die Küsterin oder der Küster die Kirche schon einmal für sich nutzen. Sicher: Nicht immer ist einem fröhlich ums Herz. Es darf auch ein stilles Gebet und es dürfen Seufzer sein. Aber wenn dann schließlich doch frohe Töne im Herzen aufkommen, weil die Kirche einfach toll aussieht, gehören solche Töne auf jeden Fall dazu. Sie tun gut – der Kirche und uns selbst.

Die Vorstellung des Psalmwortes (siehe oben) ist, dass Menschen mit grünenden und blühenden Zweigen singend zum Altar tanzen, ihn umringen und seine Hörner mit Blüten und Grün umgeben. Der Altar war im Tempel ein Tisch, dessen vier Ecken in hochstehende Hörner auslie-fen. Die Maien sind frische Zweige, die die Gemeinde beim Tanz um den Altar in den Händen hielt. So etwas sind wir ja nicht gewohnt. Aber so etwas liegt in unserem Glauben mit drin.

Denn weshalb schmücken wir Kirchen überhaupt mit Blumen und mit Grün? Weil es schön aussieht? Weil es festlicher wirkt? Ja, deshalb auch. Aber Blumen sind eigentlich Zeichen des Paradieses. Sie kommen aus unseren Gärten, die auch oft paradiesisch hergerichtet sind, und sie erinnern an Gottes Garten, den wir Menschen verloren haben. Das Verlorene finden wir durch Jesus Christus wieder. Er öffnet uns neu den Zugang zum Paradies. Er bringt uns Gott nah. Mit seiner Liebe, mit seiner Freundlichkeit, mit seinem Vertrauen sind wir unterwegs und ahnen und spüren das Paradies dort, wo der Glaube uns stärkt, wo er uns schützt und wo er uns heilt. Wenn sich in uns Traurig-keit in Fröhlichkeit verwandelt, wenn sich in uns etwas löst, was uns bedrückt hat, wenn wir Mut bekommen und sich Schweres leichter tragen lässt, dann macht sich das Paradies schon bemerkbar.

Blumen erzählen von der lebendigen Schönheit des Paradieses. Deshalb bedeutet Blumenschmuck so viel. Deshalb ist das Schmücken mit Blumen der Höhepunkt beim Vorbereiten einer Kirche für den Gottesdienst. Deshalb soll und darf es uns in Stimmung bringen.

Herzlich grüßt Sie
Ihr Andreas Flade

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