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Küster im Kirchenkreis Mecklenburg

in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland

Einige bezeichnen mich als Erb-Küster

Interview mit dem Leppiner Küster Kurt Pieper

Herr Pieper, seit wann nehmen Sie das Ehrenamt des Küsters in Leppin wahr?
Ein genaues Datum kann ich dazu gar nicht benennen, denn das war ein schleichender Übergang. Vor mir war meine Mutter Küsterin der Leppiner Kirche. Sie hatte das Amt seit ungefähr 1970 inne. Schon früh habe ich ihr gelegentlich geholfen. Als meine Mutter, die 1905 geboren wurde, dann Anfang der 1980er Jahre viele der schweren Arbeiten nicht mehr verrichten konnte, musste ich diese für sie übernehmen. Besonders die Glocken, die damals noch mit einem Strick von Hand geläutet werden mussten. Und ich erinnere mich, dass ich oft den Blasebalg der Orgel treten musste. Als junger Mann hatte man ja noch nicht so ein hohes Eigengewicht. Also musste man sich dabei zusätzlich von oben abdrücken. Irgendwann habe ich dann alle Aufgaben des Küsters übernommen. Einige bezeichnen mich deshalb gerne als Erb-Küster.

Was erfreut Sie besonders bei Ihrer Arbeit?
Gut besuchte Gottesdienste sind natürlich die schönste Belohnung für die Arbeit bei der Vorbereitung der Kirche. Aber auch fremden Besuchern die Kirche zu zeigen, bereitet mir Freude. Besonders in den ersten Jahren nach der Wiedervereinigung kamen an Wochenenden regelmäßig Auswärtige, um sich die Kirche anzuschauen. Da wird man dann auch zum Kirchenführer. Und ich bin stolz darauf, Interessierten eine so schöne Kirche wie diese zu zeigen.

Wie würden Sie Ihre Aufgabe beschreiben?
Das Wort Küster kommt aus dem Lateinischen und ist abgeleitet von custos altaris und bedeutet Wächter und Hüter. Im Prinzip bin ich Ansprechpartner für alle Belange der Kirche und auch des Friedhofs.

Was ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben aus der Zeit vor der Wiedervereinigung?
Vor 1990 waren die Gottesdienste noch besser besucht. Nach dem Zweiten Weltkrieg siedelten viele Vertriebene aus Pommern in Leppin, alles gläubige Menschen und eifrige Gottesdienstbesucher. Da die Glocken im Kirchturm im Krieg eingeschmolzen wurden, sammelten diese Leute Anfang der 1950er Jahre im Dorf Geld für eine neue Glocke. Es gab auch viele Arbeitseinsätze auf dem Friedhof. Dabei unterstützte uns sogar das ortsansässige Volkseigene Gut mit vorhandener Technik – aber nur inoffiziell. Einmal fragte ich den Betriebsleiter, ob wir einige Geräte ausleihen könnten. Da aber noch andere Personen im Raum waren, fiel seine Antwort kurz und zurückweisend aus: „Was haben wir mit der Kirche zu tun?“. Später holte er mich in sein Büro, sagte mir, dass er uns natürlich unterstützen werde und wies mich an, ihn zukünftig nur noch unter vier Augen zu fragen.

Woran mangelte es in der DDR?
Es gab im Winter kaum Blumen zu kaufen. Somit musste ich den Altar im Winter mit Tannengrün und im Frühjahr überwiegend mit Zweigen schmücken.

Worauf achten Sie besonders bei der Vorbereitung der Kirche für den Gottesdienst?
Der Altar ist ein Opfertisch und kein Blumenladen. Das Kruzifix und die Kerzen sind die wichtigsten Gegenstände. Dann erst kommen die Blumen. Und sie dürfen beides nicht verdecken und auch nicht höher sein als die Kerzen. Blumentöpfe oder gar künstliche Blumen kommen schon gar nicht auf den Altar. Da muss man bei Beerdigungen die Bestattungsinstitute manchmal in die Schranken weisen. Und noch etwas ist wichtig nach dem Gottesdienst: Taufwasser ist geweihtes Wasser. Das wird anschließend nicht einfach so weggeschüttet. Ich habe andernorts schon gesehen, dass das Taufwasser den Gottesdienstbesuchern fast vor die Füße geschüttet wurde. So etwas gibt es hier nicht!

Gibt es einen Informationsaustausch mit anderen Küstern?
Ich freue mich jedes Jahr auf die Küster-Rüste. Dort erfahre ich immer etwas Neues und lerne etwas hinzu. In den vergangenen Jahren sind dort auch viele junge Leute hinzugekommen. Das hat mich besonders gefreut.

Aus dem Gemeindebrief
Alt Käbelich - Warlin

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