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Küster im Kirchenkreis Mecklenburg

in der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland

Der ideale Küster

Als der liebe Gott den Küster schuf, machte er bereits den sechsten Tag Überstunden. Da erschien der Engel und sagte: „Herr, Ihr bastelt aber lange an dieser Figur.“ Der liebe Gott sprach: „Hast du die speziellen Wünsche auf der Bestellung gesehen?
Er soll pflegeleicht, aber nicht aus Plastik sein;
er soll 160 bewegliche Teile haben;
er soll Nerven wie Drahtseile haben und einen Rücken, auf dem sich alles abladen lässt.
Er soll nach Möglichkeit in allen Handwerksberufen zu Hause sein und mindestens sechs Paar Hände besitzen!“
Da schüttelte der Engel den Kopf und sagte: „Sechs Paar Hände, das wird kaum gehen!“
„Die Hände machen mir keine Kopfschmerzen“, antwortete der liebe Gott, „aber die drei Paar Augen, die ein Küster haben muss. Ein Paar, das das ganz Jahr über das Kirchengelände im Blickfeld hat.
Ein weiteres Paar am Hinterkopf, mit dem er sieht, was er nicht sehen soll, aber wissen muss. Und natürlich noch die zwei Augen, die die Gemeindeglieder ansehen und sagen: „Ich verstehe euch!“
„Oh, Herr!“ sagte der Engel und zupfte ihn leise am Ärmel, „geht schlafen und macht morgen weiter.“
„Ich kann nicht“, sagte der liebe Gott, „denn ich bin nahe daran, etwas zu schaffen, das mir einigermaßen ähnelt. Ich habe bereits geschafft, dass er sich selbst heilt, wenn er krank ist, dass er ältere Menschen genauso gut versteht wie Jugendliche und zu allen Gemeindegliedern gleich freundlich ist.“
Der Engel ging langsam um das Modell des Küsters herum.
„Zu weich“, seufzte er.
„Aber zäh!“ sagte der liebe Gott energisch. „Du glaubst gar nicht, was der Küster alles leisten und aushalten kann!“
„Kann der denken?“
„Nicht nur denken, sondern sogar urteilen und Kompromisse schließen“ sagte der liebe Gott, „und vergessen!“
Schließlich beugte sich der Engel vor und fuhr mit dem Finger über die Wange des Modells. „Da ist ein Leck“, sagte er.
„Ich habe Euch ja gleich gesagt, Ihr versucht zu viel in das Modell hinein zu packen.“
„Das ist kein Leck“, antwortete der liebe Gott, „das ist eine Träne.“
„Wofür ist sie?“
„Sie fließt bei Freude, Trauer, Enttäuschung, Schmerz und Verlassenheit.“
„Ihr seid ein Genie!“ sagte der Engel. Da blickte der liebe Gott versonnen auf:
„Die Träne“, sagte er, „ist das Überlaufventil.“

Thomas Breitkreuz, Nortorf

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